Schreiben an die Mitglieder des Rates und der Ausschüsse der Stadt Erkelenz

 

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

 

mit E-Mail vom 25.05.2008 ließ Ihnen der Bürgerbeirat Immerath/Lützerath/Pesch das Protokoll zum Treffen mit den Immerather Vereinen am 15.04.2008 zukommen. Darin wurden die Anregungen, Bedenken, Fragen und auch Wünsche bezüglich der zukünftigen Infrastruktur am Umsiedlungsstandort zusammengefasst.

 

Zur Vorbereitung der anstehenden Sitzungsperiode, in der verschiedene Ausschüsse und letztendlich der Rat bereits eine Grundsatzentscheidung treffen müssen, bat die Stadtverwaltung um ein kurzfristiges Treffen mit 2 Bürgerbeiratsmitgliedern am 06.05.2008, 17.30 Uhr, um zu den einzelnen Punkten der oben genannten Mitschrift aus verwaltungstechnischer Sicht Stellung zu beziehen. Bürgerbeiratsmitglied Hans-Walter Corsten sowie meine Person nahmen an diesem Treffen teil. Darüber hinaus brachten wir als sachkundigen Vereinsvertreter Hans Peter Hillekamps mit. Von städtischer Seite waren die Herren Jansen (nur bis 19 Uhr) und Lurweg vertreten.

 

In den meisten Fragenstellungen sind Verwaltung und Bürgerbeirat und Vereine gar nicht so weit von einander entfernt. Es kamen an diesem Abend aber auch Themen zur Sprache, wo die Auffassungen weit(er) auseinander liegen.  Da schon in Kürze Grundsätzliches festgezurrt wird, möchten wir zu diesen strittigen Punkten (noch einmal) unsere Meinung erläutern.

 

Es wird deutlich, dass die Wiedererrichtung der Infrastruktur von verwaltungstechnischer Seite unter folgenden Kriterien gesehen wird:

Diese Überlegungen mögen aus moderner städtebaulicher Sicht nachvollziehbar sein, treffen aus unserer Sicht jedoch nicht die Besonderheiten einer Umsiedlung. Wir sehen als Umsiedler unsere heute vorhandenen, dorfindividuellen Nutzungsmöglichkeiten zukünftig eingeschränkt und empfinden die Planungen in Teilbereichen als Verschlechterung. Dies wäre bei Weitem nicht der Fall, würde keine Umsiedlung stattfinden.

 

Dies möchten wir an folgenden Beispielen erläutern:

 

Kaisersaal

 

Hier wird städtischerseits ein Schwingboden ins Auge gefasst, um ggf. zum Beispiel den benachbarten Kindergartenkindern das Turnen zu ermöglichen. Ein solche Bodengestaltung kennzeichnet in der Regel eine Mehrzweckhalle, als welche der neue Kaisersaal aber eigentlich nicht konzipiert werden soll. Dies macht sich z.B. darin bemerkbar, dass eine Raumhöhe von 5 m ausgeschlossen wird, da es sich ja nicht um eine Mehrzweckhalle handeln werde. Wir sind der Meinung, dass der neue Kaisersaal keine Mehrzweckhalle werden soll und daher auch keinen Schwingboden erhalten sollte. Bei den üblicherweise in diesen Räumlichkeiten stattfindenden Veranstaltungen (Karnevals-Events, Schützenfeste, etc.) stellt sich zudem die Frage des Schutzes und der Reinigung eines Schwingbodens. Darüber hinaus beinhaltet die Planung des Kindergartens gemäß der entsprechenden DIN-Normen bereits einen sog. Bewegungsraum. Herr Corsten (als Vorsitzender der Dorfgemeinschaft) brachte zudem ein, dass – wie schon in der Vergangenheit praktiziert – Eigenleistungen am neuen Kaisersaal denkbar seien, wenn es rein um Kostenersparnisse gehe.

 

Leichenhalle

 

Hier kann man sich von Seiten der Stadt eine offene Lösung vorstellen. So wie dies bei uns ankam, würde die Trauergesellschaft lediglich durch ein Dach und eine feststehende Wand vor Wind und Wetter geschützt werden. Dies wird unter anderem damit begründet, dass Leichenhallen heute wegen ihrer relativ geringen Nutzung anfällig für Feuchtigkeit seien, da die Räumlichkeiten nicht durchgängig beheizt würden. Während wir nachvollziehen können, dass sich die Größe der zukünftigen Aussegnungshalle an einer durchschnittlichen Zahl von 10 Beerdigungen pro Jahr orientieren soll oder dass mobile Kühlungssysteme zum Einsatz gelangen sollen, ist eine offene Leichenhalle sehr gewöhnungsbedürftig und unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen nur schwer vermittelbar. Zudem wäre eine solche Konstruktion die erste auf Stadtgebiet.

 

Eine offene Leichenhalle - Beispiel aus dem Kreis


Sportplatz 

Dieses Thema nahm den größten Teil des Gespräches ein, weil es sehr emotional besetzt war. Herr Hillekamps als Vorsitzender des SV Immerath führte erneut an, dass der Verein auf einen Rasenplatz bestehe. Hier noch einmal die Argumente:

Darüber hinaus machte er geltend, dass beim SV Immerath Spieler aktiv seien, die zu mindestens 80 % im Ort wohnen oder durch Geburt und Kindheit mit dem Dorf verbunden seien. Es würden keine Handgelder gezahlt. Auf Erkelenzer Stadtgebiet würden heute Fußballvereine gefördert, die nachweislich einen großen Anteil an außerörtlichen Spielern verpflichtet hätten, die ansonsten nichts mit dem Stadtgebiet zu tun hätten.

 

Meine Frage, ob die zu erwartende Entschädigung des heutigen Sportplatzes die Wiederanlage eines Rasenplatzes ermögliche, wurde bejaht. Es geht also nicht um die Kosten der Wiederanlage, sondern rein um die Ergänzung von Vorhandenem mit Neuem. Wir sind hier ganz klar der Meinung, dass die Entscheidung, ob Asche oder Rasen, unabhängig von der Funktionalität gesehen werde muss. Wenn die Entschädigung es hergibt, haben die Immerather auch wieder einen Anspruch auf einen Rasenplatz. Das Argument der höheren Folgekosten durch die Pflege kann durch Eigeninitiative außer Kraft gesetzt werden. Bereits heute beteiligt sich der SVI am Pflegeaufwand.

 

 

Für die jeweils stattfinden Ausschusssitzungen erhalten die Mitglieder von der Verwaltung entsprechende Arbeitsunterlagen. Die Vorformulierungen sind in der Regel die Entscheidungsgrundlagen. Wir bitten Ihre Ausschussmitglieder, die von uns vorgebrachten Argumente abzuwägen und die einzelnen Punkte auch unter dem Aspekt der Umsiedlung zu betrachten und nicht nur nach Funktionalitäts- und Wirtschaftlichkeitsprinzipien.

 

Wir danken daher für Ihre Aufmerksamkeit und erneute Unterstützung !

Mit freundlichen Grüßen

Gisela Berger  -Sprecherin Bürgerbeirat Immerath/Lützerath/Pesch-

14.05.08