1. Spatenstich Umsiedlungsstandort Immerath/Lützerath/Pesch
20. Januar 2006
Grußwort Gisela Berger



Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist gar nicht so einfach, die passenden Worte für einen Tag wie diesen zu finden.

Schließlich bedeutet dieser 1. Spatenstich, dass ich damit beginne, unsere alten Dörfer zu Grabe zu tragen. Und dies – Ironie des Schicksals – auf Einladung des Verursachers RWE Power.

Zweifelsohne erfüllt mich dies mit Bitterkeit und einer Wut darüber, dass uns allen diese Tragödie nicht erspart bleibt. Nur schwer kann ich mich damit abfinden, dass unsere jahrhundertealten Ortschaften in der Kulturlandschaft Erkelenzer Börde von Braunkohlebaggern aufgefressen werden; dass wir - zu welchem Preis auch immer - zu Umsiedlern werden. Aufgrund dieser Gefühlslage – und das möchte ich hier ausdrücklich betonen – fällt mir dieser Spatenstich sehr, sehr schwer.

Dennoch richte ich heute meinen Blick nach vorne. Uns alle verbindet das gemeinsame Schicksal der Umsiedlung. Allein wir Umsiedler können ermessen, was Umsiedlung wirklich bedeutet.

Wie auch immer wir persönlich zueinander stehen mögen, diese Phase in unserem Leben wird für uns alle dieselbe sein. Daraus sollten wir den Mut und die Kraft schöpfen, in enger Verbindung mit den bereits umgesiedelten Peschern ein neues Dorf zum Leben zu erwecken.

Wenn ich an das große Jubiläumsschützenfest in 2005 zurückdenke, dann sehe ich, was möglich ist, wenn sich ein Dorf zusammenschließt, um etwas auf die Beine zu stellen. Jung und Alt waren seinerzeit am Gelingen der Veranstaltung beteiligt. Lasst uns diesen Geist mit an den neuen Standort nehmen, um letztendlich wieder gemeinsam etwas zu schaffen.

An die Verantwortlichen ergeht der Appell, nichts schön zu reden, sondern uns fortwährend die Rahmenbedingungen zu garantieren und auch nachzubessern, damit wir dieses Ziel auf privater und auf dorfgemeinschaftlicher Ebene erreichen können. Erst dann und nur dann gibt es etwas zu feiern.

Uns Umsiedlern –sei es als Eigentümer oder Mieter, Gewerbetreibender oder Landwirt, als junge Familie oder älterer Mitbürger, als Kirchengemeinde, als Vereinsmitglied oder vereinslos- uns Umsiedlern wünsche ich jede Menge Energie, Durchhaltevermögen und das Selbstbewusstsein, um die schwierigen Jahre der Verhandlungen¸ des Abschiednehmes und des Neuanfangs zu meistern. Lassen wir uns nicht entmutigen ! Gemeinsamkeit macht stark !

Alles Gute und auch viele Grüße an unsere zukünftigen Ortsnachbarn in Kückhoven !